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Kinderleicht - Yoga für Kinder

Was für ein Job! Morgens aufstehen, frühstücken, anziehen und ab in die Schule. Ruhig sitzen, aufpassen, mitlernen, und ab nach Hause. Mittagessen, Hausaufgaben, für den nächsten Test lernen und ab zum Nachmittagsprogramm. Irgendwann noch Fernseher, Computer und den Eltern zuliebe ein Buch einschieben. Abendessen, Waschen, Zähne putzen, Feierabend!

Inneres Ich gesucht

Die Verdienstmöglichkeiten liegen bei Haltungsschäden, Konzentrationsschwächen, unkontrolliertem Aggressionspotenzial, Reizüberflutung und Lernstress. Bei Überstunden erhält man zusätzlich mangelndes Sozialverhalten, Verhaltensauffälligkeiten und geringes Selbstbewusstsein.

Bei all den Verpflichtungen, der Hektik des Alltags und stetigem Leistungsdruck bräuchten Kinder wie Erwachsene ein gutes Rezept zum "Einfach mal Abschalten"!

Die feinsten Zutaten für dieses Rezept bietet Yoga - eine der ältesten Entspannungstechniken, um Köper, Geist und Seele in Einklang zu bringen. Inspiriert durch die Namen der einzelnen Positionen (Asanas) nehme man zum Beispiel einen Sonnengruß, erhitze ihn mit einer Kerze, mische vorsichtig eine Kobra, einen Schmetterling und einen Löwen darunter, würze alles mit wunderbaren Atemübungen und garniere das ganze mit einem Blumenstrauß und ein paar Schneeflocken. Fertig ist der Yogauflauf!

Im Yoga sind Wettbewerb und Konkurrenz tabu; jeder spürt nach, was gut für ihn ist! - Es ist erwiesen, dass regelmäßiges Praktizieren innere Blockaden und körperliche Verspannungen löst. Der Drüsenhaushalt wird harmonisiert, das innere Nervensystem und das Immunsystem werden gestärkt.

Mit der Zeit erfährt man eine Bewusstseins- und Sinneserweiterung, ein gesundes Selbstwertgefühl macht sich breit, und man erkennt seine einzigartigen Fähigkeiten und Talente. Stärken und Schwächen werden akzeptiert, was nicht nur gut für einen selbst, sondern für das ganze Umfeld ist.

Neben den gesundheitlichen Effekten, beeinflusst eine regelmäßige Yogapraxis somit viele andere Bereiche und fällt mittlerweile in den Sektor der Präventionsarbeit. Kinder gehen bewusster mit sich selbst und anderen um, werden konzentrierter, flexibler, feinfühliger, koordinierter und ausgeglichener!

Mit Bewusstsein bewusst Kind sein

Es ist ja nicht so, dass Kinder nicht lernen wollen. Sie schreien förmlich danach! Lernen erfordert Regelmäßigkeit und Disziplin, aber auch Spaß, Abwechslung und Kreativität! Um also Yoga Kindern zu vermitteln, sie erlernen und erleben zu lassen, ist viel Fantasie gefragt. Glücklicherweise gibt es unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten:

  • Ein weißes Blatt Papier und Farben werden zu zauberhaften Werkzeugen, seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen…
  • Bewegung zu Rhythmen aus aller Welt hilft, alltägliche Sorgen hinter sich zu lassen…
  • Ein kleines Gedicht ermöglicht das rasche Einprägen einer Übungsabfolge…
  • Ein großes blaues Tuch wird zum geheimnisvollen Meer…
  • Eine Sprühflasche wird zu einem warmen Sommerregen...

Die Natur mit ihren vier Jahreszeiten bietet eine farbenprächtige, vielseitige Palette von Angeboten, unseren Körper näher kennen zu lernen und mit unserem Selbst in Einklang und Harmonie zu treten. - Es wurde bestätigt, dass Kinder durch Yoga ihre motorischen Fähigkeiten ausbauen, lernen, ihren Gefühlen und Ideen Ausdruck zu verleihen und über sich hinauszuwachsen.

Hyperaktive Kinder kommen zu innerer Ruhe und Entspannung. Die Sinnes-, Gefühls- und Gedankenwelt werden bewusster wahrgenommen und fantasievoll in Bewegung und Positionen umgesetzt.

Schulalltag - Yogaalltag

Ein kleiner Vorgeschmack auf einen Yogauflauf im Schulalltag: Atemtechniken und Autogenes Training bieten sich vor Tests und langen Schultagen an, um das Gehirn zu vitalisieren und die Aufmerksamkeit und Konzentration zu fördern. Einfache Positionen für Rücken, Nacken und Wirbelsäule verhindern Fehlhaltungen und gleichen den Rundrücken vom Tragen schwerer Schultaschen und langem Sitzen aus. Gestresste Schüler und Lehrer können bei bestimmten Asanas auf kontrollierte Art und Weise Dampf ablassen und somit Aggressionen und Streitereien vermeiden. Für eine gute Klassengemeinschaft gibt es lustige Partner- oder Gruppenübungen, die mit Musik, verbunden werden können und das Sozialverhalten verbessern.

Um den Lernstoff besser begreifen zu können, könnte man in Geografie den Atlantik in der Bootsposition überqueren und sich die Gebirge in der Berghaltung einprägen. In Biologie wird man als Schmetterling beflügelt, fühlt sich als Baum erdverbunden und ahmt die Tiere des Dschungels nach.

Beim Lernen einer Fremdsprache könnte man als shark oder candle neue Wörter im Gehirn und im Körper abspeichern.

Und sollte einmal die Fantasie ausgehen: Kinder haben oft die besten Ideen und zusätzliche Motivation, wenn sie zu einer Yogaeinheit ihren Beitrag leisten können! Sie haben einen ganz natürlichen Zugang, sind flexibel, aktiv und begeisterungsfähig.

Die Integration von Yogaelementen in der Schule hat nachweislich positive Effekte. In jedem Kind steckt Yoga; wir müssen ihnen nur die Chance geben, es zu entdecken!

Durchdrehen

Ruth liebt es zu Basteln! Sie möchte so gerne eine große Sonne aus gelbem Papier in ihrem Zimmer aufhängen. Schon den ganzen Nachmittag schnipselt sie herum. Es ist ziemlich schwer, mit der Schere umzugehen. Ruth wird ungeduldig.

"Na geh!", jammert sie. "Jetzt hab ich mich schon wieder verschnitten und der blöde Kreis schaut aus wie ein Ei!" "Na geeeh!!" Wieder ist ein Schnitt nicht so recht gelungen. "NA GEEEEEH!!" Wütend schmeißt Ruth die Schere quer durch den Raum.

Ruths Mutter kommt herein:"Was ist denn hier los?" Ruth, ich hab dir doch schon so oft gesagt, dass du nicht mit Sachen herum schmeißen sollst! Noch dazu nicht mit Scheren! Schau dir die Bescherung an!" - "Ich muss aber schmeißen!", sagt Ruth trotzig. "Ich will doch eine Sonne haben, damit es in meinem Zimmer immer schon warm und hell ist. Und dieses Papier ist so blöd und die Schere ist so blöd und überhaupt ist alles blöd!"

"Nur du nicht, mein Schatz", meint Ruths Mutter beruhigend. "Das mag ich gar nicht, wenn es meiner Ruth nicht gut geht. Soll ich dir helfen?" "Nein! Ich will keine Sonne mehr. Wegen der drehe ich noch durch!". Die Mutter lächelt. "Da kommt mir eine Idee. Wir drehen zusammen durch! Komm, wir stellen uns hin, breiten die Arme ganz weit aus und drehen uns im Kreis. Wer sich schneller drehen kann! Los! Ja, gut so, schneller. Noch schneller. Schneller, schneller, schneller!" Ruth und ihre Mutter drehen sich bis ihnen schwindlig ist und lachend fallen sie zu Boden.

"Mama, das Zimmer dreht sich!", kichert Ruth. "Geht's dir wieder gut, Ruth?", fragt die Mutter. "Alles in Butter, liebe Mutter!", lacht das Mädchen.
Ruths Mutter nimmt ihre Tochter in den Arm und gemeinsam basteln sie nun eine wunderschöne Sonne.

Wenn dir etwas nicht gelingen will, dann mach eine Pause und dreh dich auch im Kreis. Und dreh dich, bevor du durchdrehst!

Sibylle Schöppel und Lena Wiesbauer

Zu den Autorinnen:

Sibylle Schöppel ist ausgebildete Kindergartenpädagogin und hat ihr Diplom für Kinderyoga in New York City absolviert. Ihre eigene Methode eines kreativen und kindgerechten Zugangs zu Yoga wurde an der der "Alexander von Humboldt" Schule in Mexiko City bereits sehr erfolgreich umgesetzt. Das Besondere ist, dass sie sich durch das Interesse der Kinder leiten lässt, sodass jede Einheit zu einem gemeinsamen Erlebnis wird. Gemeinsam mit der Kinderbuchautorin Lena Wiesbauer wurde ein besonderes Buch entwickelt, das durch Yogamärchen, Malbilder und einfach erklärte Übungen dabei unterstützt, sich diese wunderbare Entspannungstechnik auf verschiedensten Ebenen einzuprägen!

Für nähere Informationen, Buchbestellung und weitere Fragen:

sibysch@yahoo.de +43 (0)650 307 03 80

mungg@gmx.at +43 (0)650 487 53 62

 

Quelle:Balance 01/2007

 

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