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Startseite > Editorial Ausgabe 3/2005 Editorial Ausgabe 3/2005Liebe Leserinnen, liebe Leser, zur Sommer-Ausgabe der BALANCE® heiße ich Sie herzlich willkommen. Fast jeder Artikel, den ich während ihrer Fertigstellung bearbeitete und dabei noch einmal las, erinnerte mich an einen der bemerkenswertesten Urlaube, den ich je verbracht habe. Es war ein Kurzurlaub in Israel, und er ist mir wohl deshalb in so bleibender Erinnerung geblieben, weil er mit meinen Vorstellungen „gründlich aufgeräumt“ hat. Durch das dort Gesehene und Erlebte wurde erstmals die Frage aufgeworfen, ob mein Wertgefühl – z.B. für Gut und Richtig bzw. Schlecht und Falsch – wirklich ein objektives war. Mit westlich geprägten Informationen aus den Nachrichten versehen, hatte ich damals eine „pro-israelische“ Einstellung, und dass die auch richtig war, das stellte ich nicht für einen Moment in Frage. Doch dann sah ich, wie viele Palästinenser lebten: in Wellblechhütten ohne Strom, die Kinder liefen im Februar barfuß durch den Schnee, während sich nur einige Kilometer weiter ein bis auf den letzten Platz besetzter „Pizza-Hut“ befand. Das brachte meine rigide Haltung ins Wanken. Richtig fand ich den in Terrorakten ausgedrückten Hass der Palästinenser zwar noch immer nicht, aber er wurde für mich zumindest verständlich. Zurück in Deutschland verfolgte ich die Nachrichtensendungen nun kritischer. Hörte sowohl die Aussagen israelischer als auch palästinensischer Kinder, die sich aufrichtig darüber freuten, wenn es mal wieder ein paar der Feinde „erwischt“ hatte ... und konnte nun beide Seiten verstehen. In manchen Regionen Italiens gilt es als Volkssport, Singvögel zu erschießen. Die Kinder, die dort aufwachsen, erlernen dies als völlig „normal“ und „richtig“ und kämen daher nie auf den Gedanken, dass daran etwas nicht in Ordnung sein könnte. Gleiches gilt für israelische Kinder, die mit dem Wert: „Palästinenser sind schlecht“ aufwachsen, für palästinensische Kinder, die den entgegen gesetzten Wert erlernen ... und: gilt es nicht auch für uns? Ist das westliche „Out-Fit“ an Badestränden „richtig“ oder nicht vielmehr nur üblich, vertraut, gewohnt? Denn der Moslem, der solche Freizügigkeit verurteilt, hat aus seiner Sicht sicherlich auch „Recht“. Er hat es nur anders gelernt. Wir alle haben Unmengen solcher „Richtigs“ im Kopf, die wir für „Recht“ halten. Wir glauben zu wissen, wie sich andere zu verhalten hätten, wie wir selbst sein sollten, wie das Leben verlaufen müsste. – Doch all das offensichtlich nur vor dem Hintergrund des Erlernten und der Gewohnheit. Viele Beiträge in dieser Ausgabe stellen Gewohnheiten, Wertvorstellungen und Glaubenssätze in Frage und räumen auf mit dem alten Trott. Aber mehr noch: sie zeigen Möglichkeiten auf, die vermeintlichen Probleme und Konflikte zu nutzen, um – gerade durch sie – ein befreiteres, schöneres und gesünderes Leben führen zu können. Herzlichst
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